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Rezension

Rezension: Rechtlichen Fallen im Web 2.0 gekonnt ausweichen

Es vergeht kaum ein Tag ohne Meldungen über Rechtsverstöße in sozialen Netzwerken und bei Apps.
Im Mittelpunkt stehen Fragen des Datenschutzes oder des Urheberrechts und daraus resultierende Abmahnwellen. Nicht alles, was soziale Netzwerke den Nutzern ermöglichen, ist auch statthaft. Rechtliche Stolperfallen gibt es viele. Wo diese lauern, wie ihnen ausgewichen und so möglichen Rechtsverstößen vorgebeugt werden kann, beschreibt Thomas Schwenke, renommierter Social-Media-Anwalt aus Berlin, in seinem Buch „Social Media Marketing & Recht“.

Respekt ja – Angst nein

Die Abbildung eines Alligators mit aufgerissenem Maul auf dem Cover und der Umfang von knapp 560 Seiten flößen Respekt ein. Es liegt der Verdacht nahe, dass eine Vielzahl rechtlicher Aspekte bei der Nutzung des Web 2.0 zu beachten ist. Gleichzeitig macht bereits der Klappentext unmissverständlich klar, dass Social Media Marketing für Unternehmen und Freiberufler unverzichtbar ist. Die hohe Stellung von Social Media im Marketing-Mix und die lauernden rechtlichen Tücken sind Indizien dafür, wie wichtig eine gründliche und frühzeitige Kenntnis der Rechtslage ist.

Der Autor ist ein ausgewiesener Rechtsexperte. Als Anwalt berät er Unternehmen in allen juristischen Fragen zum Social Media Marketing, Datenschutz und gewerblichen Rechtsschutz. Er ist als Referent tätig und Kenner der sozialen Netzwerke. Schwenke nutzt sie selbst ausgiebig und bleibt so auf dem aktuellen Stand. Lesenswert ist sein Blog, auf dem er aktuelle Diskussionen, Fälle und Entscheidungen kommentiert und einschätzt.

Datenschutz, Urheberrecht, Lizenzen & Co

Das Buch bietet in zehn gut gegliederten Kapiteln Antworten auf alle rechtlichen Aspekte des Social Media Marketings. Es beginnt mit Themen, die beim Aufbau von Social-Media-Präsenzen wichtig sind, wie der Impressumspflicht und der Notwendigkeit von Datenschutzerklärungen, Nutzungsbedingungen und Disclaimer. Es setzt sich in der Folge mit der Verwendung von Bildern, Videos und Texten auseinander und behandelt ausführlich die Möglichkeit der Creative-Commons-Lizenzen. Weitere Abschnitte gehen auf den Schutz von Marken ein, behandeln rechtliche Besonderheiten bei der Durchführung von Gewinnspielen und das Direktmarketing. Auch weiterführende Aspekte – wie Datenschutzvorgaben beim Nutzertracking und Social-Media-Monitoring, Fragen zur Haftung sowie Möglichkeiten zur Abwehr von Abmahnungen – werden detailliert dargestellt.

Das Buch ist sehr übersichtlich gestaltet: Der Autor verzichtet weitestgehend auf einschlägiges Anwaltsdeutsch und bietet an den richtigen Stellen Definitionen, Faustregeln und Checklisten an. Die gewählten Fallbeispiele machen aus den eher trockenen Informationen eine unterhaltsame Lektüre.

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Nutzen für Journalisten

Das Buch richtet sich an jeden, der Social Media Marketing betreibt. Besonders profitieren PR-Verantwortliche, Marketingmitarbeiter und Social-Media-Manager. Aber auch alle Freiberufler und Selbstständigen, die soziale Netzwerke zur Selbstpräsentation nutzen, finden die für ihren Start ins Social Media Marketing notwendigen Informationen.

Es bleibt die Frage, ob das Buch auch speziell Journalisten und Fachjournalisten einen Mehrwert bietet. Die eindeutige Antwort: ja. Journalisten arbeiten verstärkt online. Das gilt für freie Journalisten, die das Web 2.0 zunehmend für das eigene Selbstmarketing nutzen, die bloggen, Inhalte teilen und empfehlen. Es gilt aber auch für Journalisten und Redakteure in Festanstellung. Redaktionen und Verlage arbeiten heute crossmedial, betreiben Facebook-Seiten, nutzen Twitter oder erweitern ihr Angebot durch Videos auf dem eigenen YouTube-Channel. Die genaue Kenntnis der rechtlichen Aspekte ist also auch für Journalisten unerlässlich.

An Journalisten richten sich vor allem die Abschnitte, die klassisch journalistische Fragestellungen aufwerfen. In Kapitel sechs widmet sich der Autor beispielsweise den Unterschieden zwischen Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen und den möglichen Folgen falscher Tatsachenbehauptungen. Gerade journalistische Einsteiger – aber nicht nur die – können von diesem Kapitel profitieren. Auch die Abschnitte zur Haftung und zur Abwehr von Ansprüchen und Abmahnungen sind für Journalisten von besonderem Interesse.

Besonders hervorzuheben ist der ausführliche Teil, der sich mit Satire und Kritik beschäftigt. Der Autor verdeutlicht darin, dass Urheber- und Markenrechte sowie das Recht am eigenen Bild nicht absolut gelten und die Meinungsfreiheit Satire und Kritik erlaubt. Er schildert die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen – wie Erkennbarkeit der Satire oder das notwendige öffentliche Interesse –, zeigt die Grenzen der Zulässigkeit auf und erklärt anhand zahlreicher Beispiele, wann Satire und Kritik in Schmähung und Beleidigung abdriften. Der darauf folgende Abschnitt fasst die Folgen von Verstößen gegen Urheber- und Persönlichkeitsrechte zusammen und veranschaulicht, welche monetären Kosten Journalisten, Redaktionen und Verlagen drohen können.

Fazit

„Social Media Marketing & Recht“ ist ein sehr gelungenes Buch, das jedem, der Social Media Marketing betreibt, zu empfehlen ist. Es ist inhaltlich vollständig und die rechtlichen Bestimmungen sind mithilfe des Werkes auf alle vorhandenen und künftigen Plattformen anwendbar. Das Buch ist gleichzeitig Praxishandbuch und Nachschlagewerk. Es hilft beim Start eigener Social-Media-Aktivitäten, aber auch später in kritischen Momenten. Im Zweifelsfall ersetzt es nicht den Gang zu einem Rechtsanwalt – diesen Anspruch kann ein Buch nicht erfüllen. Aber es ist ein sehr guter Begleiter, um Rechtsverstöße bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

 

Krampen_BastianDer Rezensent Bastian Krampen ist seit über acht Jahren in der Kommunikationsbranche tätig. Er ist Diplom-Politologe und Messemanager (IHK). Zurzeit belegt er den Fernstudiengang „Fachjournalismus“ an der Freien Journalistenschule und schreibt regelmäßig für ein IT-Magazin.

 

 

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