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Schaufenster für die eigene Expertise: Podcasts als Selbstmarketing-Tool für Journalisten

In fünf Schritten zum eigenen Podcast

Journalisten – freie und festangestellte – kommen heute nicht mehr um Selbstmarketing herum. Sie werden zur Marke mithilfe von Twitter, Facebook und Co. Hier fühlen sie sich bereits wie zu Hause und in Blogs zeigen sie, was sie können. Sie werden sichtbar im Netz und damit bei Redakteuren. Denn diese halten immer Ausschau nach interessanten Ideen für ihr eigenes Programm. Ein interessantes und immer wichtiger werdendes Tool für das Selbstmarketing ist der Podcast, dessen Möglichkeiten in diesem Beitrag vorgestellt werden.

Das sichtbar werden im Netz nennt der Journalist Daniel Fiene das “Schaufensterprinzip” – und bei ihm hat es funktioniert. Der Gemeinschafts-Podcast “Was mit Medien” läuft mittlerweile bei DRadio Wissen. Und schon vorher sind Daniel Fiene und seine Mitstreiter mit ihrem Podcast aufgefallen und wurden für andere Produktionen gebucht. Der Podcast war und ist das Schaufenster für ihre Expertise.

Nun müssen Sie nicht unbedingt ins Radio wollen, wenn Sie einen Podcast als Instrument nutzen, um die eigene Marke zu kreieren oder zu stärken. Auch gesprochene Beiträge müssen recherchiert, strukturiert und interessant “rübergebracht” werden. Doch ein Podcast macht Sie unverwechselbar, denn Ihre Stimme ist einmalig. Durch die eigene Stimme entsteht bei den Hörern schnell Vertrauen und mit der Zeit ein persönliches, emotionales Verhältnis. Die besten Voraussetzungen für eine Marke!

In fünf Schritten zum eigenen Podcast

Es lohnt sich, sich vor dem Start des eigenen Podcasts ein paar Gedanken zu machen. Über den Inhalt und die Form, über die Länge und die Veröffentlichungsfrequenz, über das Ziel und die Zielgruppe. Diese Punkte bestimmen die Ansprache der Hörerinnen und Hörer, beeinflussen die Wahl des Aufnahmeequipments und die geeigneten Maßnahmen für die Verbreitung und Veröffentlichung Ihrer Podcastepisoden.

1. Schritt: Das Podcastkonzept

Am Anfang steht das Podcastkonzept: Was ist das Thema und wie lässt es sich für die Ohren Ihrer Zielgruppe interessant und anschaulich aufbereiten? Möchten Sie Interviews führen, im Team podcasten oder soll es eher eine One-(Wo)Man-Show werden? Bietet es sich an, mit Musik zu arbeiten, mit Geräuschen oder Originaltönen?

Vielleicht wissen Sie sehr schnell, wie sich Ihr Podcast anhören soll. Anregungen und einen Überblick darüber, was es bereits gibt, finden Sie in den Podcastverzeichnissen wie podcast.de oder im iTunes Store.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Podcast? Wollen Sie sich eine Community aufbauen, die dann ein Pluspunkt in bestimmten Redaktionen ist? Möchten Sie sich für ein bestimmtes Thema als Experte profilieren und über geführte Interviews ein Netzwerk in der jeweiligen Szene aufbauen? Ist das Ziel, vor allem viele Hörer zu gewinnen, oder soll eine ausgewählte Hörerschaft bedient werden?

Im ersten Fall ist es wichtig, in einer kurzen Frequenz zu senden. Denn das erhöht die Chance, bei iTunes häufig unter “neu und beachtenswert” zu erscheinen und so die Aufmerksamkeit auf den eigenen Podcast zu lenken. Beim Aufbau einer ausgewählten Hörerschaft können Sie auch seltener, beispielsweise viermal im Jahr veröffentlichen, lediglich wichtige Veranstaltungen begleiten oder dokumentieren.

Die Länge des Podcasts sollte ebenfalls im Vorfeld bedacht werden. Je nach Länge oder Größe der Audiodateien wählen Sie den Hoster, denn danach richten sich eventuell entstehende Kosten. Und was lässt Ihr Zeitbudget zu? Zehn Minuten sind schneller produziert als 60 Minuten. Und Hörer könnten enttäuscht sein, wenn der Podcast, der sie morgens auf dem Weg zur Arbeit begleitet, statt der gewohnten 30 Minuten einmal nur fünf Minuten dauert.

2. Schritt: Aufnahmetechnik

Für die Aufnahme benötigen Sie ein Mikrofon und ein Audiobearbeitungsprogramm, einen Audioeditor. Mit dem wandeln Sie Ihre Aufnahme nach der Bearbeitung auch in ein komprimiertes Format um, um es bei Ihrem Hoster hochzuladen und im Netz zu veröffentlichen.

Für Starter ist es praktisch, ein Mikrofon zu nutzen, das direkt per USB-Schnittstelle an den Rechner angeschlossen wird. Bedenken Sie: Ihr Podcast steht in den Podcastverzeichnissen neben den hochwertigen Produktionen der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Achten Sie also auf eine gute Soundqualität. Besonders, wenn Sie Ihren Podcast als Instrument für das Selbstmarketing nutzen möchten, kommen verrauschte und klangarme Sendungen nicht gut an.

Wenn Sie mobil Interviews führen oder Statements aufnehmen möchten, sind Sie mit einem digitalen Aufnahmegerät gut ausgerüstet. Einige dieser Geräte, beispielsweise von Zoom, lassen sich auch als Standalone-Mikros verwenden. So lassen sich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Die Auswahl an Audioeditoren ist übersichtlicher als die an Mikrofonen. Audacity ist eine kostenlose Software, die unter Windows, Mac OS X und Linux läuft. Einen ersten Überblick bekommen Sie in dem Fachjournalist-Beitrag “Das kleine Einmaleins der Audiobearbeitung mit Audacity“.

Ebenfalls unter Windows und Mac OS X laufen Hindenburg Journalist, Studio One und WaveLab Elements (Steinberg). Diese Programme sind kostenpflichtig, doch bekommen Sie immer eine Testversion oder eine kostenlose Testphase, in der Sie das Programm in Ruhe ausprobieren können. GarageBand ist eine weitere Alternative für Podcaster. Es steht jedoch nur Apple-Nutzern zur Verfügung.

3. Schritt: Achtung Aufnahme!

Neben dem guten technischen Equipment spielt der Raum, in dem Sie aufnehmen, eine Rolle für die Qualität Ihres Podcasts. Kahle Wände und Fensterscheiben reflektieren den Schall, es kann unerwünschte Halleffekte geben. Räume mit Vorhängen, Teppichen und gefüllten Bücherregalen eignen sich dagegen gut, da sie den Schall absorbieren; es soll sogar Podcaster geben, die deswegen ihre Aufnahmen im Kleiderschrank machen. Das ist einerseits sicher unbequem und andererseits wird der hallige Raumklang wohl durch einen eher dumpfen ersetzt. Hilfreicher sind Wolldecken, die Sie im Raum aufhängen, oder professionelle Akustikplatten.

Stehen oder sitzen? Probieren Sie es mal aus! Wie klingt die Stimme im Sitzen? Wie im Stehen? Häufig ist die Stimme im Stehen voller, weil eine Bauchatmung besser gelingt und der Atem frei fließt. Seien Sie locker und entspannt bei der Aufnahme. Das ist für viele leichter gesagt als getan, doch Lockerungsübungen und ein paar Übungen, um die Sprechwerkzeuge zu “ölen”, wirken Wunder. Sie unterstützen eine gute Artikulation – und auch der Klang der Stimme ist trainierbar. Spaß macht das Ganze auf der “kleinen Podcastsprechschule” von Britta Freith.

Freies Sprechen mithilfe einer Stichwortliste kommt beim Gegenüber gut an. Doch es ist auch praktisch, ein Manuskript im Vorfeld zu erstellen. Dieses – oder Ausschnitte daraus – kann dann gleich für den Text auf dem Blog verwendet werden. Das freut die Suchmaschinen und Blogbesucher, die lieber lesen als hören.

4. Schritt: Podcasthosting

Sie können Ihren Podcast auf der eigenen Website hosten oder einen Podcast-Hostingservice nutzen. Das Hosten auf der eigenen Seite funktioniert nur, wenn diese auf einem Content-Management-System (CMS) aufbaut. Sie benötigen dann ein Podcaster-Plugin, das den RSS-Feed aus den Informationen Ihrer Seite und zusätzlichen Angaben zu Ihrem Podcast generiert. Word Press ist hier sicherlich das beliebteste CMS – und es gibt eine Reihe interessanter Plug-ins dafür.

Ein Podcast-Hostingservice beschleunigt den Start eines Podcasts ungemein. Er bietet einen Blog inklusive Player und generiert aus Ihren Angaben ebenfalls den RSS-Feed.

Mit einem Mix aus beiden Möglichkeiten ist der Podcast auf Ihrer Homepage verfügbar und Sie können schnell starten. In diesem Fall hosten Sie die Episoden bei einem Hostingservice, nutzen jedoch nicht den angebotenen Blog und binden die Episoden auf Ihrer Homepage ein. Je nach Anbieter geht das unkompliziert via JavaSkript-Code oder ebenfalls mit einem Plug-in.

5. Schritt: Podcastpromotion

Die Basis, um Hörer für den eigenen Podcast zu bekommen, ist die Anmeldung in den Podcastverzeichnissen. iTunes, podcast.de und podster.de sollten auf jeden Fall dabei sein. Hier wird jeweils der RSS-Feed eingetragen. Eine weitere wichtige Rolle bei der Vermarktung eines Podcasts spielt das Podcast-Cover. Damit macht der Podcast in den Verzeichnissen und im Podcatcher einen guten Eindruck und lädt zum Reinhören ein.

Darüber hinaus ist bei der Vermarktung des eigenen Podcasts Kreativität gefragt. Machen Sie dort auf Ihren Podcast aufmerksam, wo sich Ihre Zielgruppe aufhält. Weisen Sie in thematisch passenden Foren und Gruppen im Netz auf einzelne Episoden hin. Erwähnen Sie Ihren Podcast auch außerhalb des Internets, auf Veranstaltungen oder in der Presse.

Neue Podcastfolgen können schnell und preiswert über Social-Media-Kanäle im Netz verbreitet werden. Wenn Sie noch nicht auf einem Social-Media-Kanal präsent sind, dann lohnt es sich spätestens jetzt einen Kanal einzurichten. Auch das Naheliegende, nämlich auf der eigenen Internetpräsenz deutlich auf den Podcast hinzuweisen, wird gerne vergessen.

Gestalten Sie die Informationen zu den einzelnen Sendungen (die Shownotes) übersichtlich und für das Auge ansprechend. Verwenden Sie aussagekräftige Schlagworte für Ihre Hörer und für die Suchmaschinen. Eine Erklärung, wie man mit einem kostenlosen Podcastabonnement keine Folge verpasst, kann ebenfalls zu neuen und treuen Hörerinnen und Hörern verhelfen.

Mit dem eigenen Podcast Geld verdienen

Starten Sie Ihren Podcast, um die eigene Marke zu stärken oder besser herauszubilden und bei Redaktionen als Experte sichtbar zu werden, wird das Thema “Geld verdienen” indirekt verfolgt. Einen Podcast direkt als Einkommensquelle zu nutzen, ist aus zwei Gründen bisher nicht so einfach:

  1. Die Werbefinanzierung eines Podcasts ist problematisch. Zum einen erreichen die Downloadzahlen selten so hohe Werte, dass es sich für Unternehmen lohnt, Werbespots im Podcast zu senden. Die übliche Abrechnung nach Tausender-Kontakt-Preis funktioniert nicht und auch so ausgereifte Statistiken wie beispielsweise bei YouTube gibt es für Podcasts bisher nicht. Außerdem ist Werbung für Podcasthörer eher abschreckend. Oft hören sie Podcasts, gerade weil sie werbefrei sind.
  1. Gelder über Affiliate-Programme einzunehmen, ist ebenfalls schwierig, da Podcasthörer nicht zwingend auf Ihrer Website sind, um Ihnen zu lauschen und so der Weg zum entsprechenden Link eher ein Umweg ist.

Alternativen zu diesen beiden Möglichkeiten werden natürlich auch eingeschlagen:

Statt Werbung bieten sich beispielsweise Kooperationen an. Diese Partnerschaften sollten zu Ihren Inhalten passen und Ihren Hörerinnen und Hörern einen Mehrwert bieten. Auch Produktempfehlungen funktionieren so, da Podcaster im Laufe der Zeit eine hohe Glaubwürdigkeit bei Ihren Hörern erlangen. Häufig ist auch ein PayPal-Button auf dem Podcast-Blog eingefügt oder die Möglichkeit, via Flattr dem Podcaster eine Geldsumme zu spenden. Die Anbindung zu Flattr bieten sogar schon einige Apps an.

Die Frage, wie man einen Podcast zu Geld machen kann, wird in der Podcastszene diskutiert. In den nächsten Jahren wird sich in dieser Richtung sicherlich einiges tun.

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

Brigitte HagedornDie Autorin Brigitte Hagedorn ist Journalistin, Autorin und Podcast-Trainerin. Als freie Journalistin hat sie u. a. für den “RBB”, die “Deutsche Welle” und “Deutschlandradio Kultur” gearbeitet. Brigitte Hagedorn unterstützt Trainer, Berater und Coachs sowie Organisationen bei der Umsetzung ihrer Audio-Projekte. Außerdem leitet sie Podcast-Kurse – offline und online. Für den Deutschen Fachjournalisten-Verband und das Deutsche Journalistenkolleg betreut sie das Nachwuchsprojekt Fachjournalist-Podcast. In Kürze erscheint ihr zweites Buch “Podcasting – Konzept , Produktion, Vermarktung” im mitp-Verlag.

Kommentare
  1. Grüß Dich Brigitte,

    ein sehr gelungener und brandaktueller Artikel zum Thema Podcasting! Spitze!
    Ich freue mich schon auf die Hörversion!
    weiterhin viel Erfolg!

    Helmut Seisenberger

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