RSS-Feed

Praxistipps: Mit Bildjournalismus und Fotografie zusätzliche Einnahmen generieren

Freie Bildjournalisten und -reporter können mit Stock-Fotografie und Nebenschüssen zusätzliche Einnahmen generieren. Doch dazu gilt es, zunächst den eigenen Auftritt und ein passendes Vertriebsmodell zu entwickeln.

Welche Bildmotive werden gesucht? „Köppe, Köppe, Köppe“, beantwortete der Bildredakteur einer etablierten Fotoagentur einmal diese Frage. Was alle können, das bringt in der Regel wenig Geld. Sonnenuntergänge, Palmenfotos und Katzenbilder sind nicht unbedingt geeignete Motive, um mit der Fotografie ein Einkommen zu generieren. Hier folgen ein paar Tipps.

Pressefotografie

An Pressefotografie denkt man als Erstes. Konzertfotos bekannter Künstler funktionieren gut, Promi-Shootings und roter Teppich sind immer lukrativ. Aber störendes Blitzen ist bei der Konzertfotografie unerwünscht, oft darf nur während der ersten drei Songs im Fotograben mit der Kamera gearbeitet werden. Zudem ist häufig ein konkreter Redaktionsauftrag erforderlich, ohne den selbst erfahrene freie Pressefotografen nicht mehr zugelassen werden: Die Gegenseite hat aufgerüstet und das Management berühmter Künstler möchte gerne den Bilderfluss kontrollieren. Sportfotos, gerade von großen Events wie Fußball-WM oder Ironman, gehen auch immer. Der Nachteil für Amateure und Einsteiger ist: Sie erhalten oftmals keinen Zugang zu Veranstaltungen aufgrund der abgelehnten Akkreditierungsanfrage und es gibt hohe Anforderungen an Technik und Können. Hier wird intuitiv fotografiert, es muss schnell gehen.

Fachmagazine

Alternativen bieten weitere Möglichkeiten der Bildverwertung: Viele Fachmagazine sind offen für Quereinsteiger, die Text und Fotos zusammen anbieten. Voraussetzungen sind hohe Qualität, Fachkenntnisse und gute Themenvorschläge. Oft wird vorab eine „Best-of-Auswahl“ der passenden Fotos erwartet, um die Vermarktbarkeit der Story abschätzen zu können. Es gilt: Den Text kann man hinterher zur Not noch „zurechtbiegen“, die Bilder nicht. Wer sich also für Spezialthemen wie Mountainbiking, Angeln oder Golf interessiert, sollte die eigenen fotografischen und textlichen Qualitäten auf ein entsprechendes Niveau bringen. Die Honorare für das Paket „Text und Bild“ liegen je nach Magazin zwischen 100 und 200 Euro. Im Schnitt erscheinen pro Story mindestens vier Seiten, manchmal auch mehr, also ein ganz hübsches Zubrot.

Bildagenturen

Bildagenturen suchen zeitlose Symbolbilder zu bestimmten Themen, Jahreszeiten oder Aktivitäten. Deren Kunden recherchieren nach Fotos, die einen sportlichen Lebensstil, Naturmedizin, stilvolle Interieurs oder Influencer-Berühmtheiten zeigen. Dazu zählen auch gut inszenierte Bilder zu Herstellungsprozessen: „Making-of“ oder „Behind-the-Scenes“. Hier sollte ein Property- oder Model-Release, also eine Fotografieerlaubnis oder ein Modelvertrag als schriftliche Zustimmung zur Verwendung und Veröffentlichung des Bildes, nicht vergessen werden, um möglichen Abmahnungen vorzubeugen.

Stock Fotografie

Weitere Trends lauten Retro Renaissance und Slow Travel: Nostalgie gilt als verkaufskräftige Emotion und ein entschleunigter Tourismus eröffnet den anderen Blickwinkel auf freundliche Einheimische, lokale Küche und fremde Kulturen. Hier ergibt sich eine Vielzahl von visuellen Herausforderungen, die ein erfahrener Stock-Fotograf mit Selbstreflexion ablichten kann, wie etwa alte Autoklassiker mit einem stylischen Fahrer in 1970er-Jahre Kleidung. Ethik & Werte ist ebenfalls eine Kategorie, nach der Bildredakteure gerne suchen. Dazu gehören Fotos von Hipstern, die Plastikflaschen am Strand einsammeln (Beach-Cleaning) oder auch Klimathemen, Recycling, Bio-Lebensmittel im Gebrauch sowie zum Beispiel organischer Anbau von Blattsalat. Es lohnt sich also, hier etwas zu recherchieren. Extravaganter Maximalismus wird ebenfalls oft von Bildredakteuren bei Agenturen abgefragt. Also etwa glamouröser Feminismus, erfolgreiche Selbstverwirklichung, hedonistische Selbstinszenierung. Die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo gilt in diesem Bereich als Vorreiterin, nicht zuletzt aufgrund ihrer bewegten Lebensgeschichte mit Krankheit, Leid und Erfolg, die sich in ihren zahlreichen Selbstporträts spiegelt. Auch Gender-Themen spielen bei Bildagenturen eine große Rolle: Aktivisten wie Greta Thunberg haben es vorgemacht, nicht nur das Frauenbild im 21. Jahrhundert zeigt Non-Konformisten in authentischer Form. Mein Tipp: recherchieren und fotografisch umsetzen!

Mindset Reset

Eine weitere wichtige Kategorie lautet Mindset Reset, also alles zum Thema Wohlfühlen und „Hygge“ – der Begriff stammt aus dem Dänischen und bedeutet so etwas wie Gemütlichkeit: Yoga, Wandern in unberührter Natur, Achtsamkeit, Selbstreflexion, Esoterik. Dazu schöne Details wie schwere Silberringe an zierlichen Fingern, Innehalten auf dem Berggipfel, einen Kuchen backen mit lieben Freunden oder Genuss in organischer Kleidung. Gefragt sind auch Bilder von Menschen, die natürliche Wirkstoffe wie Kurkuma oder Eukalyptus im Alltag verwenden. Auf Instagram kann man die aktuelle Bildsprache dazu studieren. Immer wiederkehrende Themen sind zum Beispiel Asia-Pacific-Lifestyle, Familienessen, Medizinthemen, globale Events, Alltag in Frankreich, Alltag in den USA, Prominente, Sport, Tiny Houses, Van Life, Gentrifikation, Rooftop Bars, Wirtschaftsthemen, Co-Working-Spaces, Slums, Krisengebiete, Wellness, Reisen an symbolträchtige Orte, Ernährungswissenschaft, multiethnische Beziehungen, ungewöhnliche Aktivitäten der Subkultur, Trendsportarten, Feiertage, Kaffeekultur, aktuelles Zeitgeschehen. Model-Release nicht vergessen – ohne Hauptdarsteller (Protagonisten) funktioniert das selten im hochpreisigen Bereich.

Auftragsarbeiten

Auch Auftragsarbeiten sind eine Möglichkeit – erfordern aber viel Vertrauen vom Kunden, auch im Kleinen wie bei der Hochzeitsfotografie für liebe Nachbarn. Kaum ein Bildredakteur oder Agenturleiter riskiert seinen Job, um unbekannten Newcomern eine Chance zu geben. Man setzt auf vertraute Fotografen, die für Zuverlässigkeit und Qualität stehen. Weltweit gibt es vielleicht 150 Top-Fotografen im Magazin-Markt, die selbst von Nicht-Regierungs-Organisationen (Non-Governmental Organizations, NGOs) für überhöhte Honorare gebucht werden. Der Rest strampelt.

Agenturarbeit

Bei FREELENS, dem in Hamburg ansässigen Verband deutscher Fotojournalisten und Fotografen, waren 2015 die Bildredakteure von ZEIT und Spiegel, Jutta Schein und Peer Peters, zu Gast. Jutta Schein von der ZEIT kam über Volontariat und Berufserfahrung bei den anerkannten Pressebildagenturen Laif und Agentur Focus zu ihrem Job. Den Ablauf in der Redaktion beschrieb sie wie folgt: Dienstags ist Produktionsende, am Mittwoch laufen die Vorbereitungen auf neue Themen, am Donnerstag steht die große Konferenz mit Blattkritik und neuen Themenvorschlägen an, am Abend werden dann die Produktionsaufträge für freie Fotografen vergeben. Am Freitag erfolgt die Präsentation der ersten Bilder, montags die Überarbeitung der Vorschläge, dienstags werden die fertigen in Auftrag gegebenen Fotos verwendet. Ein großer Teil der benötigten Fotos wird über Bildagenturen eingekauft, etwa 60 Prozent wird aber über freie Fotoaufträge besorgt.

Wie erwartet hat das Ressort Reise das geringste Budget zur Verfügung. Jutta Schein erklärte, dass sie die Fotografen für Aufträge bestmöglich kennen müsse, also auf Portfolio-Sichtungen mit passenden Schwerpunkten Wert lege. Bei anspruchsvollen Reportagen werde viel Mitdenken erwartet, auch beim Anlegen von Hoch- und Querformat. Es ginge immer um den Zugang zu Menschen bei diesen Porträtshootings, um das besondere Festhalten von Emotionen, oft mit einer speziellen Blitztechnik – larger than life. Bei der Übergabe erwarten die Bildredakteure keine Bilderflut, sondern bereits eine fundierte und selbstkritische Auswahl der eigenen Bilder im JPG-Format. Eine passende Beschriftung im Caption-Feld sollte ebenso selbstverständlich sein wie die Auswahl der treffenden Stichwörter. Tagesgage bei der Zeit: etwa 450 Euro für freie Fotografen im Ressort Politik. Redaktionsbesuche lohnen sich also nur mit einer hervorragenden Mappe der vielleicht zehn oder zwölf besten Arbeiten, die zu dem Hause auch passen, das man gerade besucht. Hilfreich können auch Onlineportale wie Traumfotografen.de, dasauge.de oder Fivver.com sein. Das Erhöhen der Sichtbarkeit des eigenen Internetauftritts einschließlich Search Engine Optimization (SEO) und SEO-Marketing unterstützt ganz entscheidend den persönlichen Erfolg.

Die Honorarverhandlung entfällt bei der Kooperation mit vielen Bildagenturen, da diese ihr Material oftmals ohnehin unter dem Tarif der MFM, der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing, verkaufen. Wer seine Bilder aber an unseriöse Billiganbieter gibt, der darf sich nicht über frustrierende Erlöse oder gar Bilderklau – selbst bei etablierten Medienhäusern bedienten sich schon Bildredakteure für das gerahmte Starfotografen-Bild über dem eigenen Sofa – beklagen. Die Bilderbranche ist in weiten Teilen durch einen zunehmend aggressiven Verdrängungswettbewerb und durch Intransparenz für Bildlieferanten geprägt.

Für Einsteiger

Tatsächlich ist die Stockagentur Alamy immer noch eine der fairsten und reichweitestärksten Bildagenturen mit internationaler Kundschaft. Sie kooperiert in Deutschland mit Mauritius Images. Zunehmend werden dort auch Presse- und Reportagefotos von globalen Events nachgefragt, sodass sich nicht nur Nebenschüsse vermarkten lassen. Alamy zahlt zwischen fünf und 200 Euro pro verkauften Bild, abhängig vom Nutzen (Public Relations / Redaktion), Reichweite des Mediums (Online/Print), Größe des Bildes (Format) und Dauer der Nutzung (Monat/Jahr). Die passende Verschlagwortung der hochgeladenen Bilder entscheidet maßgeblich über einen Verkaufserfolg – was nicht gefunden wird, kann nicht gekauft werden. Nachteile: Ständig wechselnde Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB), zeitlich verzögerte Auszahlungen, keine Angabe von Namen der Bildkäufer für den Aufbau einer eigenen Referenzliste. Bevor man sich aber für eine Bildagentur entscheidet, sollten auch Punkte wie Exklusivität geklärt werden.

Tipp: Wer sein Bildmaterial im Netz via Copytrack scannen lässt, verdient nicht nur an den Nachlizenzierungen im Falle von Bilderklau, sondern erfährt auch die Nutzernamen für das eigene Selbstmarketing.

Fazit

Auch für Einsteiger ist es möglich, mit der Fotografie Geld zu verdienen. Mit einer klaren Positionierung in der Spitze und einem hochwertigen Portfolio kann man sich bei Bildagenturen vorstellen und durch wirksames Selbstmarketing sowie steiler Lernkurve auf weiteren Bildermärkten mit Direktkunden etablieren.

 

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

Der Autor Ralf Falbe arbeitet als freier Bildjournalist, Videographer und Reporter. Veröffentlichungen u. a. in Stern, Sueddeutsche.de und Guardian. Ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Irland 2016 (Kategorie Online – Top 10), Bronze Winner International Photo Award IPA Philippines 2016 (Kategorie Kinder), Nominierung für den PR-Bild Award 2015 (Kategorie Tourismus, Freizeit, Sport). Mitglied beim DFJV, Nikon Professional Services NPS und der Fotoagentur Imagetrust. Weitere Informationen zu seiner Person unter www.ralffalbe.com.

Schreiben Sie einen Kommentar (bitte beachten Sie hierbei unsere Netiquette)