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Unsere Watchlist: Journalistenfilme und -serien zum Streamen

Für alle die gerade daheim sind haben wir eine Auswahl an sehenswerten Filmen und Serien über Licht- und Schattenseiten des Journalismus zusammengestellt.

Die Corona-Pandemie hält uns weiterhin in Atem und einen großen Teil der Bevölkerung (hoffentlich) zu Hause. Zum Glück ruht die Berichterstattung in diesen Zeiten nicht. Es scheint sogar so, dass Qualitätsjournalismus momentan gefragter ist denn je, was sich in aktuell steigenden Digital-Abonnements von Zeitungen äußert. Nichtsdestotrotz brechen leider vielen freien Journalisten die Aufträge weg und einige Medienhäuser bereiten ihr Personal auf Kurzarbeit vor.

All denjenigen, die in dieser schwierigen Situation Trost in der Ablenkung suchen und sich dabei dennoch gern mit grundlegenden journalistischen Themen auseinandersetzen möchten, legen wir unsere nachfolgende Auswahl an sehenswerter, digital verfügbarer Unterhaltung ans Herz, die auf der regelmäßig erscheinenden Rezensionsreihe zu Journalistenfilmen und -serien beruht.

Die Verlegerin (2018)

Beginnen wir mit großen Namen: Vor wenigen Jahren nahm sich Regie-Ikone Steven Spielberg der Geschichte um den 1971 erfolgten Leak der sogenannten Pentagon-Papiere in seinem Drama Die Verlegerin an. Meryl Streep nahm darin die Rolle von Katharine Graham ein, der Erbin und Verlegerin der „Washington Post“. In Die Verlegerin sehen wir zunächst, was zur Entstehung der Pentagon-Papiere im Zuge des Vietnamkriegs geführt hat und wie Daniel Ellsberg (Matthew Rhys), damals Militär-Analyst des US-Außenministeriums, unerlaubt Fotokopien dieser brisanten Dokumente anfertigt. Wenige Jahre später ergibt sich für die „Washington Post“, damals von Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) geleitet, die Gelegenheit, diese Geheimdokumente exklusiv zu veröffentlichen. Unter enormem Druck muss Katharine Graham darüber entscheiden, ob sie für das Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit eintritt und dabei die Zukunft der Zeitung und ihres Familienerbes riskiert oder im Sinne der Staatsräson Stillschweigen wahrt. Obwohl sich Die Verlegerin auch Freiheiten in Bezug auf die Faktentreue in dieser Geschichte um den ersten Leak in der US-amerikanischen Pressegeschichte herausnahm, ist Spielberg mit diesem Drama ein sehenswertes Plädoyer für freie und kritische Berichterstattung gelungen. Zudem huldigt dieser Film Katharine Graham und ihrem Kampf um Augenhöhe im männerdominierten Verlagswesen. Die Verlegerin ist aktuell bei Amazon Prime verfügbar.

Nightcrawler (2014)

Vom prinzipientreuen, ehrenhaften Journalismus bewegen wir uns mit dem nächsten Tipp auf eine moralisch äußerst fragwürdige Art der Berichterstattung zu. In seinem 2014 erschienenen Regiedebüt Nightcrawler widmet sich Dan Gilroy der Tätigkeit sogenannter „Stringer“ für lokale TV-Sender in den USA. Diese sind meist freischaffende Videojournalisten, die mit eigenem Equipment Unfallopfer, Schießereien, Naturkatastrophen oder Verfolgungsjagden filmen und ihre Beiträge dann Nachrichtensendern anbieten. Ein Tätigkeitsfeld, das den Protagonisten Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) zu Beginn von Nightcrawler dermaßen fasziniert, dass er sich selbst daran versuchen will. Dass Louis ein gefühlskalter, ambitionierter und über Leichen gehender Soziopath ist, verhilft ihm in diesem Job zu einem raschen Aufstieg. Nightcrawler ist ein spannender, faszinierender Film noir, der in seinem Kern harsche Kritik an einem Nachrichtensystem übt, das solche Tätigkeiten erst ermöglicht. Zu sehen ist Nightcrawler aktuell auf Netflix.

The Newsroom (2012 – 2014)

Eine lange Karriere war The Newsroom nicht vergönnt: Nach gerade einmal drei Staffeln und insgesamt 25 Episoden war Schluss für die Serie des US-amerikanischen Pay-TV-Senders Home Box Office (HBO), die der geschätzte Drehbuchautor Aaron Sorkin (The West Wing, The Social Network) erschuf. Doch das Grundthema von The Newsroom findet in diesen drei Staffeln genügend Raum zur Entfaltung: die Rettung des Qualitätsjournalismus. Zumindest nehmen sich dies die Macher des fiktiven amerikanischen Fernsehnachrichtenformats „News Night“ vor. Will McAvoy (Jeff Daniels), der mürrische Nachrichtensprecher dieser Abendsendung, zögert zu Beginn noch, verschreibt sich dann aber den hohen Idealen seines Vorgesetzten Charlie Skinner (Sam Waterston) und seiner Ex-Freundin und Nachrichtenproduzentin Mackenzie McHale (Emily Mortimer). Ihre Vision ist ein Fernsehjournalismus, der „hard facts“ statt „Human Interest“-Storys fokussiert, den Blick immer auf eine objektiv zu informierende Bürgerschaft ausrichtet und wieder seine Rolle als vierte Gewalt einnimmt. Im Verlauf von drei Staffeln schildert The Newsroom, wie Will und seine Redaktion diesen Idealen hinterherrennen, über Quotenverluste und Werbedruck stolpern, sich unentwegt zanken und dann doch wieder zueinanderfinden. Zu Recht bemängelten viele Kritiker die hohe Dichte an Pathos versprühenden Reden und die mitunter arg naive Journalismuskritik in The Newsroom. Dennoch kommt man beim Schauen dieser brillant gespielten und rasant inszenierten Serie nicht umhin, sich zu fragen, ob hehre Ideale wirklich etwas Schlechtes im Journalismus sind. The Newsroom ist aktuell bei Sky Ticket verfügbar.

Almost Famous (2000)

Mit Almost Famous – Fast berühmt findet eine warmherzige Coming-of-Age-Komödie ihren Platz in unserer Watchlist. Drehbuchautor und Regisseur Cameron Crowe versetzt uns ins Jahr 1969 zurück und lässt uns miterleben, wie der gerade einmal 15-jährige musikbegeisterte William Miller (Patrick Fugit) vom Rolling Stone als Rockkritiker angeheuert wird. Dies könnte man für unrealistisch halten, würde der Film nicht auf Cameron Crowes eigener Erfahrung als Musikjournalist im Teenageralter beruhen. Almost Famous schildert im weiteren Verlauf, wie der schüchterne William mit der fiktiven Rockband Stillwater auf Tour geht und versucht, bei der Berichterstattung über seine Helden Distanz zu wahren. Im Hinterkopf hat er dabei stets, was ihm sein Mentor, der Musikkritiker Lester Bangs (großartig: Philip Seymour Hofmann), stets gepredigt hat: sich niemals der „Industry of Cool“ verschreiben und stattdessen ehrlich und unbarmherzig berichten. Cameron Crowe spürt mit diesem nostalgischen Film nicht nur seinen eigenen Erfahrungen nach, sondern porträtiert auch einen Musikjournalismus, wie er vor dem Aufkommen großer PR-Maschinerien und dem Musikfernsehen existiert hat. Almost Famous ist aktuell bei Sky Ticket verfügbar.

Succession (2017)

Zum Schluss folgt hier noch die Empfehlung einer HBO-Serie, die viel gelobt und zuletzt mit Preisen überhäuft wurde, aber hierzulande noch recht unbekannt geblieben ist: Succession. Dies bedeutet übersetzt Erbfolge und bezeichnet damit zugleich die Ausgangssituation dieser inzwischen zwei Staffeln umfassenden Serie. Logan Roy (Brian Cox), 80-jähriger Gründer und Geschäftsführer von Waystar Royco, dem „fünftgrößten Medienkonglomerat der Welt“, soll sich zur Ruhe setzen. Zeitungen, TV-Sender, Vergnügungsparks, Ferienanlagen gehören zu dem Imperium, das sich der Selfmademan aus einfachen Verhältnissen mühsam aufgebaut hat. Doch obwohl sein ehrgeiziger Sohn Kendall Roy (Jeremy Strong) schon in den Startlöchern für die Nachfolge steht, kann sich der notorisch miesgelaunte Patriarch Logan nicht mit dem Lauf der Dinge abfinden. Gleich in der ersten Folge bringt er seine vier erwachsenen Kinder mit einer neuen Nachfolgeregelung gegeneinander auf. Die geschäftlichen Konflikte in Succession sind immer wieder auch Ausdruck der tiefen Risse in der Familie, die Logans Kinder zu bemerkenswert unberechenbaren und egomanen Menschen heranwachsen ließen. Im Verlauf der aktuell 20 Episoden umfassenden, zwischen Satire und Tragödie changierenden Serie entspinnt ein harter Kampf um die Zukunft des konservativen Medienimperiums. Bei diesem mischen nicht nur die Roys, sondern auch Politiker und übernahmewillige Konkurrenten mit. Allzu starke Ähnlichkeiten zu realen Mediendynastien, vor allem der der Murdochs, wies Showrunner Jesse Armstrong zwar zurück, aber Parallelen lassen sich in Succession durchaus finden. Diese zunächst von den Kritikern geschmähte, aber bald schon berechtigterweise in den Himmel gelobte Serie ist aktuell bei Sky Ticket verfügbar.

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

Dobrila_KonticDobrila Kontić, M.A., studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, Englische Philologie und Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin und Journalismus am Deutschen Journalistenkolleg (DJK). Sie betreibt das Onlinemagazin culturshock.de.

Kommentare
  1. Patrick sagt:

    Hallo liebe Kollegin!

    Eine schöne und ausgewogene Zusammenstellung, Nightcrawler ist bitterböse, Almost Famous – trotz aller Widrigkeiten im Business – ein romantischer Film. Succession kannte ich bislang nicht, klingt spannend – vielen Dank für den Tipp!

    Eine thematisch ähnlich gelagerte, gleichzeitig enger gefasste Watchlist habe ich auf meinem Blog zusammengetragen, und zwar geht es um Pandemiefilme, in den Journalisten eine Rolle spielen. Vielleicht ist ja da die eine oder andere Anregung für eine der nächsten Besprechungen dabei.

    Viele Grüße – und vor allem Gesundheit,
    Patrick

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