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Die zehn besten Tipps fürs Bloggen

Bloggen kann theoretisch jeder – viele scheitern jedoch an der Praxis. Christof Herrmann betreibt mit Einfach bewusst den meistgelesenen deutschsprachigen Blog zum Thema Minimalismus. Seitenaufrufe pro Monat: 150.000! Dem Fachjournalist verrät er zehn Tipps fürs Bloggen, wie man sich Follower aufbaut und seine Leserschaft bei der Stange hält.

Du bist eigentlich Programmierer. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Als Kind habe ich meist still in der Ecke gesessen, gemalt und geschrieben. Diese Leidenschaft ist eine Zeit lang in Vergessenheit geraten, hat sich aber immer wieder gezeigt. Ich habe Artikel über die Spiele meiner Basketballmannschaft geschrieben, habe für mich Kurzgeschichten verfasst. Und in meinem Beruf habe ich lieber Spezifikationen und die Dokumentation für die Software formuliert als zu programmieren.

Vor zehn Jahren habe ich nebenbei einen ersten Wanderführer recherchiert und verfasst. Das hat mir viel Freude bereitet, obwohl es eigentlich ein trockenes Thema ist. Aber ich habe versucht, die Texte aufzulockern, und es geschafft, dass die Leute das Buch gerne lesen.

Nachdem der Wanderführer so gut angekommen ist, hast du deinen Job als Programmierer gekündigt und dich entschlossen, zu bloggen. Wie startet man erfolgreich in das Bloggen?

Das Allerwichtigste als Tipp 1: Überlege dir im Vorfeld, worüber du bloggen willst, was deine Spezialthemen, deine Interessen sind. Schreibe nur über Themen, für die du selbst brennst.

Auf meinem Blog geht es um Minimalismus, Nachhaltigkeit, vegane Ernährung und das Wandern. Ich stehe für diese Themen, bin darin Experte. Ich koche seit 30 Jahren mit Leidenschaft, seit mehr als sechs Jahren vegan; die anderen Themen lebe ich seit zehn, 15 Jahren.

So mancher würde vielleicht gerne bloggen, scheut aber vor der Technik zurück. Mit welchem Argument räumst du mit technischen Bedenken auf?

Einen Blog mit WordPress aufzusetzen, bekommt jeder hin, auch ohne Programmiererfahrung. Die Seite kannst du dann individuell anpassen.

Augenmerk solltest du – Tipp 2 – generell auf die Gestaltung des Layouts legen. Der Leser, die Leserin sollte sich ganz einfach zurechtfinden. Der User muss auf den ersten Blick erfassen: Worum geht´s? Wer schreibt da?

Ich finde es immer interessant, etwas über den Blogger selbst zu erfahren.

Und was ist inhaltlich zu beachten?

Nach meiner Beobachtung werden 99 Prozent aller Blogs nach spätestens ein oder zwei Jahren nicht mehr weitergeführt. Man braucht schon einen lange Atem, muss regelmäßig etwas Neues und Interessantes veröffentlichen. Sonst verliert man die Leser so schnell, wie sie gekommen sind.

Also, Tipp 3: Regelmäßig neue Artikel anbieten! Ich versuche, alle ein, zwei Wochen etwas zu bloggen.

Was sollte man von der Schreibe her bei den Artikeln beachten?

Die Texte – Tipp 4 – müssen schön zu lesen sein, deshalb sollte man genügend Zeit investieren. Man darf nicht zu ausschweifend sein, sondern muss auf den Punkt kommen. Was auch sinnvoll ist: auf die Rechtschreibung und Interpunktion zu achten. Viele verlieren die Lust, weiterzulesen, wenn im ersten Absatz gleich Fehler auftauchen.

Sehr wichtig ist auch die Überschrift – Tipp 5. Die User entscheiden innerhalb kürzester Zeit, ob sie den Artikel lesen oder nicht – die Headline muss sie also ansprechen. Die erfolgreichsten Artikel sind solche, die schon in der Überschrift einen Nutzwert versprechen, wie „Die 10 besten Tipps fürs Wandern in Deutschland“ oder „7 ganz einfache Rezepte mit Kichererbsen“.

Ich achte aber darauf, die Art der Überschriften immer ein bisschen abzuwechseln. Wie man Headlines formuliert, damit sie neugierig machen oder einen Nutzwert versprechen, kann man lernen, wenn man andere Blogs liest. Und wenn der Artikel tatsächlich erfüllt, was in der Überschrift steht, kommt der Leser wieder.

Welche Analyse-Tools verwendest du?

Tipp 6: Ich habe früher Google Analytics verwendet, um herauszufinden, welche Artikel gut gehen. Mittlerweile nutze ich nur noch ein simples Tool in WordPress.

Ich habe herausgefunden, dass lange Artikel nicht so gut ankommen. Was ich außerdem festgestellt habe: Mehr als 50 Prozent der Leser lesen meinen Blog wegen der Minimalismus-Themen, die anderen drei Themen zusammen machen die übrige Hälfte aus. Kochrezepte stehen an zweiter Stelle, darauf folgt Wandern, dann Nachhaltigkeit.

Welche Zielgruppe hast du? 

Ich bin thematisch relativ breit aufgestellt, deshalb spreche ich ganz unterschiedliche Menschen an. Ich habe einmal eine Umfrage gemacht, an der mehrere 1.000 Leute teilgenommen haben. Da waren wenige unter 25 Jahre, die meisten waren zwischen 40 und 50 Jahre alt.

Auf Social Media folgen dir 19.000 Leute. Wie baut man sich Follower auf?

Tipp 7: Vernetze dich mit anderen Blogs und Seiten. Entdeckst du Artikel, die thematisch zu deinem Blog passen, dann verlinke sie auf deiner Seite oder teile sie auf deinen Social-Media-Seiten. Das freut die anderen Autoren, die sich vielleicht revanchieren, und ist ein Mehrwert für deine Follower.

Ich empfehle außerdem – Tipp 8 –, sich von Anfang an einen Newsletter aufzubauen. Denn die E-Mail-Adressen, die du dadurch bekommst, bleiben dir – während niemand weiß, ob Facebook oder Twitter in zehn Jahren noch so relevant sind wie heute.

Ich habe mir im Laufe der Jahre einen Newsletter mit 15.000 Abonnenten aufgebaut. Die sind wirklich Gold und Geld wert. Wenn ich ein neues Produkt auf den Markt bringe, etwa ein E-Book oder ein Buch, und das in meinem Newsletter vorstelle, verkaufe ich innerhalb weniger Tage mehrere 100 Exemplare.

Was macht einen guten Blog aus?

Ab dem Moment, wo man die Idee im Kopf hat, selbst einen Blog zu starten, sollte man – Tipp 9 – anders lesen, sein eigenes Verhalten analysieren. Warum lese ich diesen Blog, warum klicke ich auf diesen Artikel? Ist es wegen der Überschrift oder lese ich generell alles von diesem Autor gerne?

Worauf ich achte, wenn ich selbst einen Blog lese: Auf jeden Fall ist mir wichtig, dass eine persönliche Komponente dabei ist, eine wirkliche Person ihre Erfahrungen mit einbringt.

Wenn ich einem Blogger eine Frage stelle und der nicht antwortet, ärgere ich mich darüber. Meine Lehre daraus ist Tipp 10: Wenn ich meine Leser halten möchte, muss ich auf E-Mails und Kommentare antworten.

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

Fotocredit: Florian Wittmann

Christof Herrmann,48, lebt in Nürnberg. Mit 40 Jahren hängte er seinen Beruf als Programmierer an den Nagel, um seiner Berufung zu folgen: dem Schreiben. Er ist Autor, Blogger und Fotojournalist. Auf seinem Blog www.einfachbewusst.de geht es um Minimalismus, Nachhaltigkeit, vegane Ernährung und Wandern. Einer seiner fünf Wanderführer beschreibt die Alpenüberquerung Salzburg – Triest, die er gefunden und ausgekundschaftet hat. Am 02.09.2020 erscheint bei Gräfe und Unzer (GU) sein Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“.

 

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