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Praxis-Tipps für das Arbeiten mit Drohnen: der DJI-Pilotenflug

Die Rotoren ruckeln, die LED-Signallichter der DJI Mavic Air 2 – neueste DJI-Drohne auf dem Markt – blinken auf wie bei einer Boeing 747 kurz vor dem Start auf der Rollbahn. Sanft hebt sich die Drohne in die Luft und schwebt scheinbar mühelos im Stand in zwei Meter Höhe. Der abnehmbare Steuerknüppel der DJI-Fernbedienung liegt dazu gut in der Hand, fast wie der Joystick einer Gaming-Konsole. Also alles ganz einfach? Mitnichten.

Vorbereitung

Um eine DJI Mavic Air 2 oder auch DJI Mavic Mini fliegen zu können, wird zunächst ein leistungsfähiges Mobiltelefon für die passende DJI-App benötigt, die man – kostenlos – für die Steuerung downloaden muss. Eine erste Aktivierung der App via Internet reicht dann aus, um damit auch offline navigieren zu können. Beim Download der erforderlichen DJI Fly App (iOS und Android) gab es jedoch mehrfach Abbrüche; erst nach dem Herunterladen der weiteren App DJI GO 4 funktionierte die vollständige App-Einrichtung auf dem Handy. Auf den technischen Support bei DJI sollte man hierbei nicht bauen – eine Anfrage per Mail wurde nur mit allgemeinen Floskeln beantwortet: „Bei uns klappt alles.“

Dann gilt es, die vier faltbaren Propellerschrauben gemäß Bedienungsanleitung richtig an den ebenfalls faltbaren Auslegern der Drohne zu befestigen (links- und rechtsdrehend) und das Schutzgehäuse am Gimbal-Motor vor dem Start zu entfernen. Im Praxistest zeigt sich, dass natürlicher Rasen als Untergrund beim Start gefährlich ist: Der Gimbal-Motor der Mavic Air 2 setzt auf (Anzeige: Gimbal-Motor überlastet) und die Propeller schneiden rasch ins Gras, was zu Beschädigungen oder einer Unwucht im Antriebssystem führen kann: Ein Startabbruch ist die Folge. Besser sind plane Gehwegplatten oder eine Holzplatte als Unterlage. Und es sollte lieber eine größere Fläche als Startbahn gewählt werden, da beim späteren Landeanflug das GPS-System durchaus Abweichungen bis zu einem halben Meter zulässt.

Der Flug – vom Start bis zur Landung

Die Drohne wird aktiviert, indem die Netztaste einmal kurz und dann lang gedrückt wird – so wird der eingebaute Akku der Drohne gestartet. Aus Sicherheitsgründen entlädt sich dieser nach einem Tag ohne Nutzung auf rund 60 Prozent seiner Leistung.

Das Smartphone mit der App lässt sich mit einem Mobilgerätehalter an die DJI-Fernsteuerung anklemmen und mit dieser über ein Kabel (verschiedene USB-Adapter liegen bei) verbinden. Über die sehr benutzerfreundliche DJI Fly App wird dann die Verbindung zur Drohne mittels Koppeln hergestellt. Dann folgt man den Anweisungen auf dem Bildschirm. Für mehr Sicherheit lässt sich vorab die maximale Flughöhe zum Beispiel auf 30 Meter und die weiteste Entfernung auf 50 Meter beschränken, falls während des Flugs keine Verbindung zur App möglich sein sollte. Mit Blickpunkt vom Boden verschätzt man sich auch oft in der Höhe – ein defensiver Flugstil verhindert Schäden an der Drohne und der Umwelt.

Sind alle Einstellungen vorgenommen, kann man den Start-Button auf der DJI Fly App drücken. Danach steigt der Multikopter selbstständig auf eine Höhe von etwa zwei Metern. Der folgende – langsame – Steigflug kann mit den abnehmbaren Steuerknüppeln der Fernbedienung navigiert werden. Die Höhe sollte unbedingt auf etwa drei Meter korrigiert werden, um sich nicht selbst bei einem unvorsichtigen Manöver in Gefahr zu bringen. Die Joysticks arbeiten sicher und genau, fast wie bei einem Modell-Flugzeug. Die Drohne verharrt selbst in 20 Meter Höhe bei etwas Seitenwind automatisch ruhig in der Luft, bis neue Kommandos über die Fernsteuerungs-Konsole mit der sehr stabilen DJI Langstrecken-Übertragungstechnologie OcuSync 2.0 kommen. Mittels GPS, Glonass sowie Vision Positioning System (Schwebe-Sensorik auch bei geringen Licht- und Sichtbedingungen) erfolgt die Navigation der Mavic Air 2 äußerst präzise und genau.

Zu beachten ist das rasante Tempo der Mavic Air 2, das von Einsteigern oft unterschätzt wird. Bei einem Testflug an der Ostsee düste das Fluggerät gefährlich nahe an Büsche und Bäume, sodass die Propeller wohl zu den häufigsten Verschleißteilen gehören dürften. Es gilt also: Üben, üben, üben. Die kognitive Herausforderung besteht darin, den sicheren Flug der Drohne und zugleich das gewünschte Fotomotiv im Auge zu behalten.

Für die Rückkehr und Landung der Mavic Air 2 kann man zwischen RTH-Funktion („Return to Home“-Knopf auf der Fernbedienung) oder manuellem Rückflug und Lande-Button im App-Menü des Smartphones wählen. Leert sich der Akku, kehrt die Drohne automatisch zum Start zurück. Mit Einsatz des mittigen Schiebereglers kann der Flugmodus der DJI Mavic Air 2 zwischen Tripod, Normal und Sport in Sekundenschnelle gewechselt werden: Die Drohne erreicht maximal eine Geschwindigkeit von 68,4 km/h. Es ist also Vorsicht geboten!

Trotz der beeindruckenden Technik: Ein erster Flugtest auf leerer Wiese ist unbedingt zu empfehlen, bevor man sich größere Aufgaben vornimmt. Es gilt zu üben, um unfallfrei zu fliegen und auch die verschiedenen Kamera-Modi kennenzulernen: Weitwinkel, Tiefenschärfe, Videofunktionen. Der Wetterbericht ist ferner für alle Drohnenflieger, ob Einsteiger oder Profi, elementare Grundlage bei der Planung von Lufteinsätzen – auch Piloten müssen auf starke Winde, Regen und Windrichtung achten und daraus ihre Schlüsse für einen unfallfreien Flug ziehen. Mit einem Multikopter wird ein Fotograf oder Filmemacher somit zu einem Navigator der Lüfte.

Kameranutzung

Die Foto- und Videofunktion lässt sich wechselseitig über einen kleinen Knopf rechts von den Joysticks ein- und ausschalten, dazu erscheint das Live-Sichtfeld der Kameraanzeige einschließlich aller Flugparameter auf dem Display des Handys: Flughöhe, Flugdistanz, Fluggeschwindigkeit, Signalverbindung oder Akkustand stehen somit stets zur Ansicht bereit und informieren den Drohnenpiloten in Echtzeit. Bei strahlendem Sonnenschein sind die Angaben manchmal etwas schwierig zu erkennen. Mit dem kleinen Gimbal-Rädchen an der Fernsteuerung lässt sich die Neigung der Kamera bis zur senkrechten Totalen verstellen. Bei guten Lichtverhältnissen sind nicht nur 12-Megapixel-Fotos möglich, sondern auch beeindruckende 48-Megapixel-Fotos. Neben herkömmlichen Einzelaufnahmen kann der Drohnenpilot auch Intervall-Aufnahmen, Serienbilder, Belichtungsreihen oder Panorama-Aufnahmen wählen. Die gefilmten Bilddateien werden direkt auf dem Handy in der kostenlosen DJI Fly App gespeichert, die sogar eine nachträgliche Videobearbeitung und die direkte Weiterleitung an Social-Media-Kanäle wie Instagram bietet – also ein Traum für Influencer und solche, die es werden wollen. Die DJI Fly App erkennt aber auch den Einsatz von Mikro-SD-Karten.

Den Grenzen für Individualität und Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Die gestalterischen Möglichkeiten reichen von Innenaufnahmen im Nahbereich – beim Flug durch Lagerhallen, Großraumbüros, Hotels – bis hin zu Überflügen von Gewässern, Wäldern oder Häuserzeilen. Entfesselte Kamerafahrten sind möglich – Fliegen wie in einem Videospiel –, erfordern aber im Einsatz viel Erfahrung, Feingefühl und Rücksicht und auch Kenntnisse im Luftrecht sowie in der Meteorologie.

Technik

Die neue DJI Mavic Air 2 zeichnet sich durch Infrarotsensoren sowie umseitig gerichtete  Sichtsensoren aus, die Schwebeflug, das Fliegen in Innenräumen sowie im Freien und eine automatische Rückkehrfunktion (Return to Home, RTH) ermöglichen. Mit einem auf drei Achsen vollständig stabilisierten Gimbal-Motor und einer modernen Kamera mit einem 1/2-Zoll-Sensor nimmt die Mavic Air 2 ultraflüssige Videos mit 4K/60 fps (alternativ bietet die Drohne auch Full-HD-Aufnahmen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde) und Fotos mit 48 MP auf. Die DJI Mavic Air 2 bietet im Vergleich zur Vorgängergeneration deutlich stabilere Signalverbindungen und somit eine sichere Reichweite bis zu sechs Kilometern. Die maximale Flugzeit beträgt 34 Minuten, die Maximalgeschwindigkeit bis zu 68,4 km/h. Abmessungen: 180 x 97 x 84 Millimeter (eingefaltet) bzw. 183 x 253 x 77 Millimeter (ausgefaltet). Zum Aufladen von Akku und Fernsteuerung muss das mitgelieferte Netzteil benutzt werden, sodass hierzu stets eine Steckdose erforderlich ist. Für Einsteiger und Profis geeignet, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (ca. 830,- Euro).

Regeln und Rahmenbedingungen

Eine feuerfeste Plakette zur Kennzeichnung und eine Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckung sind zwingend erforderlich. Bei einer Drohne wie der Mavic Air 2 mit einem Eigengewicht von 570 Gramm besteht in Deutschland seit dem 07.04.2017 eine Kennzeichenpflicht. Ein feuerfestes Drohnen-Kennzeichnen – oftmals selbstklebende Aluminium-Schildchen – mit den eigenen Adressdaten in Gravur kann man schon für 8,50 Euro bestellen. Eine passende Versicherung gibt es bereits ab 25,- Euro Jahresgebühr; diese ist auch Voraussetzung für eine kommerzielle Aufstiegsgenehmigung (Antragstellung bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Referat Luftverkehr). Info: www.drohnen.de

Sicherheit

Aus gutem Grunde sind Drohnenflüge über Sportereignissen, Demonstrationen oder Verkehrsunfällen genehmigungspflichtig. Aber auch Bahnanlagen, Industriegelände und Bundeswasserstraßen gelten als Verbotszonen, sodass gerade unter Berücksichtigung der Eigentümerrechte von Privatgrundstücken nicht wirklich viele freie Flächen zur Verfügung stehen.

Die aktuelle Drohnenverordnung schreibt ferner vor, dass die maximale Flughöhe auf 100 Meter über Grund begrenzt ist und nur auf Sichtweite geflogen werden darf. Über Flugverbotszonen und Sperrgebiete informiert auch der Paragraf 21 a/b der deutschen Drohnenverordnung. Info: www.drone-zone.de

Apps

Eine empfehlenswerte App für Drohnenpiloten heißt https://map2fly.flynex.de/a/map/fn. Hier gibt es einen Überblick über das gewünschte Fluggebiet mit wichtigen Informationen zu möglichen Auflagen oder Sperrgebieten.

Die App Hover bietet hingegen ein Fluglogbuch und aktuelle Wetterdaten für Drohnenflieger: http://www.hoverapp.io.

Praxistipp für die Reise:

Die Richtlinien der verschiedenen Fluggesellschaften variieren sehr stark, aber die Akkus gehören wegen einer möglichen Brandgefahr immer in das Handgepäck. Fast alle Drohnen werden mit einem Lithium-Polymer-Akkumulator in Betrieb genommen, sodass derartige Antriebssysteme als leicht entzündbares Gefahrengut eingestuft werden. Ein LiPo-Safe für den Akku ist hilfreich und kostet nur wenige Euro im Fachhandel.

Vermarktung:

Die Bildagentur Shutterstock vermarktet auch Drohnenvideos, sodass sich hier für freie Journalisten zusätzliche Einnahmen bieten können. Gute Luftaufnahmen nimmt jede Fotoagentur.

Bedienungsanleitung (PDF) und App-Download: www.dji.com

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

Der Autor Ralf Falbe arbeitet als freier Bildjournalist, Videographer und Reporter. Veröffentlichungen u. a. in Stern, F.A.Z. und Sueddeutsche.de. Ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Irland 2016 (Kategorie Online – Top 10), Bronze-Winner International Photo Award IPA Philippines 2016 (Kategorie Kinder), Nominierung für den PR-Bild Award 2015, 2017, 2018 (Kategorie Tourismus, Freizeit, Sport). Mitglied beim DFJV und VDRJ. Weitere Informationen zu seiner Person unter www.ralffalbe.com.

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