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Tipp: So klappt es mit der Filmförderung

Die Filmförderung ist nur etwas für Langfilme und vielleicht noch akademische Abschlussarbeiten? Falsch! Auch Kurzfilme und innovative Bewegtbildinhalte können als Projekte in Kooperation mit der Filmförderung entwickelt werden. Und auch hier gilt: Jeder Cent hilft.

„Man braucht immer Geld für einen Film“, erklärt die Sachbearbeiterin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) – Sparte Kurzfilm und Dokumentation – auf Nachfrage telefonisch. „Auf welcher Stufe steht denn Ihr Projekt?“, will man schließlich von der digitalen Einreichplattform, Gremium „kurz & innovativ“, wissen.

Für manche freien Multimedia-Projekte von Journalisten – darunter auch innovative Ideen im Bewegtbildbereich wie XR-Projekt, 360°-Film, Webserie – bietet sich ein Antrag auf Produktionsförderung bei der Filmförderung der einzelnen Bundesländer an, auch wenn eine Ersteinreichung für Einsteiger immer sehr viel Arbeit bedeutet. Neben einem Anschreiben und einer nachvollziehbaren, realistischen Kalkulation als Nachweis der intensiven Auseinandersetzung mit der finanziellen Seite werden auch Dialogszenen, Figurenbeschreibungen und persönliche Motivation abgefragt. Was ist der Person, die den Antrag stellt, dabei wichtig, warum brennt sie für dieses Filmprojekt? Wie ist die Idee entstanden? Wie ist die Vermarktung geplant?

Eigenanteil und Rückstellungen

Insbesondere die Kalkulation der geplanten Produktion hat es in sich, selbst bei Kurzfilmen oder Dokumentationen mit maximal 30 Minuten Länge (siehe unten). Kalkuliert wird immer mit einem Eigenanteil in Höhe von 3,45 Prozent der Fördersumme – der auch per Sponsoring oder Crowdfunding finanziert werden kann –, zuzüglich Rückstellungen für Gagen (27,16 Prozent), pauschale Handlungsunkosten (HU) (12,20 Prozent) und Schnittplatz (5,56 Prozent) – zusammen sind das knapp 50 Prozent (48,37 Prozent) der Fördersumme. Die Aufstellung der Kalkulation im Detail setzt das kreative Verständnis des eigenen Filmprojektes voraus.

Die Grundlage: der Drehplan

Neben Drehbuch-Auszügen spielt der Drehplan eine grundlegende Rolle bei der Ermittlung der wichtigen Kennzahlen: Eine Übersicht der zeitlichen Zuordnung einzelner Elemente sowie benötigter Zeiträume zeigt die Konsequenzen auf. Aus dem Drehplan ergibt sich auch der Produktionsplan mit der Aufführung von Vorbereitungszeit, Drehzeit, Schnitt, Postproduktion, Delivery.

Die eigene Kalkulation ermittelt die Kosten aus den einzelnen Elementen und Zeiträumen. In dem Finanzierungsplan wird dann dokumentiert, woher das benötigte Budget kommen soll und der Cashflow-Plan regelt die Zwischenfinanzierung. In der endgültigen Filmabrechnung erscheinen dann die Belege zu einzelnen Kalkulationspositionen, wobei Abweichungen erläutert werden müssen.

Software bietet Hilfe

Für die Erstellung der Drehplanung gilt das Programm Fuzzlecheck (www.fuzzlecheck.de) als erste Wahl: Wichtige Kriterien wie Chronologie, Drehorte, Darsteller, Drehpausen, Stunts können übersichtlich in Tabellenform angelegt werden. Zu berücksichtigen sind ferner Motivbesichtigungen, Darstellerproben, Ladetage, Materialtests (Kameras, Licht, Ton), Rückladetage, Reisetage, Umschalttage zwischen Nachtszenen und Tagdreh. Der Innendreh sollte nach dem Außendreh angelegt werden, um bei Schlechtwetter Ausfallkosten der Produktion zu sparen. Farbliche Codierungen, zum Beispiel Blau für nächtliche Außendrehs, erhöhen die Übersichtlichkeit und machen Umschalttage sofort sichtbar.

Drehpläne für lange Spielfilme sollten unbedingt mit Fuzzlecheck angelegt werden, da Werte wie Drehtageanzahl der Schauspieler/Protagonisten für die genaue Gesamtkalkulation und damit Antragserfolg einer Förderung entscheidend sind.

Wer sich bei kleineren Filmprojekten wie Dokumentationen für eine Erstellung des Drehplans mit einer Excel-Tabelle entscheidet, sollte ebenfalls entscheidende Kerndaten auflisten: Szenennummern, Datum, Protagonisten, Komparsen, Umschalttage zwischen Tag- und Nachtdreh usw.

Für die anschließende Projektplanung gibt es das kostenlose Open-Source-Programm GanttProject: Wie lange brauche ich eigentlich für den Dreh? Welche Teammitglieder sind erforderlich? Wie lange brauche ich einen Cutter? Es gilt, die zeitlichen Abläufe zwischen den einzelnen Modulen – Feinschnitt, Musik, CGI (Computer Generated Imagery; Computereinsatz zur Bilderzeugung), Titelerstellung, Dialogschnitt, Synchronisation – zu planen. Bei großen Projekten beginnt der Schnitt oftmals bereits während der Dreharbeiten.

Eine hohe Hürde: die Kalkulation

Die Kostenzusammenstellung zur Vorlage bei der Filmförderung sollte gemäß den Merkblättern die folgenden wichtigen Posten umfassen: Vorkosten, Rechte und Manuskript, Gagen, Atelier, Ausstattung und Technik, Reise und Transportkosten, Filmmaterial und Bearbeitung, Endfertigung, Versicherungen, allgemeine Kosten. Die Filmförderungen sehen hier gerne die Richtlinien einer sparsamen Wirtschaftsführung mit marktüblichen Kosten erfüllt. Verständlich, denn die Fördermittel werden mit Steuergeldern finanziert.

Bei der Ermittlung der marktüblichen Gagen helfen Tarifverträge, zum Beispiel von ver.di, wobei Rückstellungen einschließlich Sozialabgaben sowie Abgaben für Berufsgenossenschaft oder der Künstlersozialkasse (KSK) zu berücksichtigen sind: Sollte die Produktion – eine vertragliche Regelung ist unabdingbar – eines Tages erfolgreich etwa auf Netflix laufen, wären die Rückstellungen auszuzahlen. Protagonisten in Dokumentarfilmen müssen nicht unbedingt bezahlt werden, aber auch in diesem Fall sollte man sich bei den Filmförderungen vorher schlaumachen.

Ausstattung und Technik werden in den meisten Fällen wohl geliehen und nicht selbst gekauft. Schriftliche Angebote vom Filmverleih für Kameras und anderes Equipment sorgen für wirtschaftliche Transparenz, auch für die spätere Filmabrechnung; Belege sollten hier nicht fehlen – vergoldete Walkie-Talkies für die Filmcrew fallen also aus. Eine Versicherung für das teure technische Equipment gilt als Must-have, denn Schäden durch Diebstahl oder Vandalismus sind nie gänzlich ausgeschlossen. Da man nicht alle Kosten geltend machen kann, haben die Filmförderungen die Position Handlungsunkosten (HU) als Pauschale geschaffen.

Ganz wichtig ist auch eine Personenausfallversicherung: Sollte sich der Hauptdarsteller während des Drehs verletzen oder erkranken, wäre mit erheblichen Kosten infolge der Ausfalltage zu rechnen. In Zeiten der Corona-Pandemie hat der Produzent auch auf die Durchführung gängiger Hygienemaßnahmen und die Einhaltung einer möglicherweise erforderlichen Quarantäne zu achten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Unverzichtbar bei der Berechnung der Gesamtkosten – in diesen sollte eine Überschreitungsreserve bis zu acht Prozent der Netto-Herstellungskosten inkludiert sein – ist das Kalkulationsprogramm Sesam, weil bei der Berücksichtigung von Tarifverträgen, Tariftabellen, Mindestlohn oder Lohnnebenkosten Sozialversicherungsabgaben für Deutschland automatisch berechnet werden. Wer unsicher ist beim Ausfüllen, kann zum Beispiel bei der FilmUnion von ver.di Hilfe erbitten.

Grundlage der Förderung ist der festgelegte Eigenfinanzierungsanteil. Wer die Finanzmittel nicht selbst oder durch Kredite zur Verfügung stellen kann, aber auf Plattformen wie Steady oder Patreon aktiv ist, kann hier seine eigene Community zur Mitfinanzierung aufrufen. Unterstützer erhalten dann beispielsweise exklusive Inhalte vorab oder können während des Drehs eingebunden werden. Über eigene Social Media-Kanäle kann ebenfalls erheblich getrommelt werden.

Wichtige Randbedingungen

Kurzfilme in Dokumentarform dürfen auch im Ausland spielen, wenn die Postproduktion in Deutschland erfolgt – eine Bildqualität in Full HD ist hier bereits ausreichend. Die Vermarktung über Filmfestivals und Verleih sollte vor Antragstellung bereits bedacht sein.

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) bezieht seit Sommer 2020 auch erstmals Diversitätskriterien in die Beurteilung von Förderanträgen ein. Wer in Kiel oder Hamburg eine Filmförderung beantragt, muss nun zusammen mit dem Fördermittelantrag eine zusätzliche Diversity-Checkliste einreichen. Denn: Nicht nur die erzählte Geschichte soll eine möglichst große Diversität – Queer und/oder Black, Indigenous, People of Color (BIPoC) – in den Charakteren aufweisen, auch die Filmcrew mit den einzelnen Teammitgliedern sowie die Rollenbesetzung und die Herausbringung. Der deutsche Film- und Fernsehbetrieb soll vielfältiger werden – auch das Thema „Leben mit Behinderung“ rückt weiter in den Fokus der Filmförderungen.

Die FFHSH fördert ferner die Konzeptentwicklung von Prototypen innovativer audiovisueller Bewegtbildinhalte. Als Merkmal dieser Inhalte gilt, dass keine zwingende Auswertung im Kino oder Fernsehen vorgesehen ist und die Fördersummen nach einzelnen Bausteinen unterschieden werden. Beratungsgespräche sollten spätestens 14 Tage vor Einreichung der Förderunterlagen gesucht werden.

Fazit

Keine Filmidee ist neu, alles wurde bereits schon irgendwie und irgendwann umgesetzt. So sieht es zumindest das Prüfungskomitee, das zweimal jährlich über die Anträge entscheidet.

Auch wenn eine Prüfgebühr nur bei einem positiven Bescheid fällig ist: Der Antrag auf Förderung ist kein Spaziergang und sollte sehr sorgfältig ausgearbeitet werden – allein Leistung wirkt hier vertrauensbildend. Gezielte Fragen, ein Plan B in der Tasche und Verständnis für das eigene Filmpublikum wirken als sehr effektives Auffangnetz im Krisenfall der eigenen Verwertungskette. Einzig mit Demut und Empathie gelingen große Filme oder innovative Bewegtbildinhalte.

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

Der Autor Ralf Falbe arbeitet als freier Bildjournalist, Videographer und Reporter. Veröffentlichungen u. a. in Stern, F.A.Z. und Sueddeutsche.de. Ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Irland 2016 (Kategorie Online – Top 10), Bronze-Winner International Photo Award IPA Philippines 2016 (Kategorie Kinder), Nominierung für den PR-Bild Award 2015, 2017, 2018 (Kategorie Tourismus, Freizeit, Sport). Mitglied beim DFJV und VDRJ. Weitere Informationen zu seiner Person unter www.ralffalbe.com.

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