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Wie wir ohne Panik aus dem brennenden Haus kommen

Plädoyer für einen konstruktiven Klimajournalismus

Gemäß traditioneller Nachrichtenfaktoren ist auch die Klimaberichterstattung oft ereignis- und problemzentriert. Anhand eines Experimentes zeigt der Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer auf, warum diese Form der Berichterstattung jedoch Ängste schürt und dadurch die Handlungsbereitschaft der Menschen sinkt – und wie ein konstruktiver journalistischer Ansatz dies ändern kann. Ein Buchauszug aus dem Sammelband „Medien in der Klimakrise“.

»Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen, denn das tut es«, forderte Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2019. Nicht Hoffnung, sondern nur Angst könne die Menschen dazu motivieren, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Dieser Eindruck wird intuitiv vermutlich von vielen Menschen geteilt, denen es ein Anliegen ist, andere dazu zu bewegen, alles ihnen Mögliche zur Bekämpfung des Klimawandels zu unternehmen. Wer sich vor potenziellen Katastrophen fürchtet, wird doch wohl alles tun, um diese noch abzuwenden! Allerdings täuscht uns unsere Intuition gelegentlich auch, und Panik ist oft nicht der beste Ratgeber.

Wir wollen in diesem Beitrag deshalb die Befunde eines Experiments diskutieren, in dem wir die Frage untersuchen, welche Art von Informationen Angst vor dem Klimawandel erzeugt und welche Folgen diese Angst für die Urteilsbildung und Handlungsbereitschaft der Menschen hat. Weil sich die meisten Menschen über den Klimawandel in Nachrichtenmedien wie Tageszeitungen, Fernsehnachrichten und deren Onlineableger informieren, haben wir uns dezidiert mit dem Einfluss der Medienberichterstattung auf die Rezipientinnen und Rezipienten beschäftigt. Auch wenn man viele Klimaphänomene mehr oder weniger direkt beobachten kann, leisten erst die Massenmedien eine Einordnung des Geschehens und thematisieren Ursachen und Folgen dieser Phänomene. Dementsprechend haben sie einen erheblichen Einfluss auf die Emotionen, die Urteilsbildung und die Handlungsbereitschaft der Bevölkerung in Bezug auf den Klimawandel. [1]

In diesem Beitrag werden wir deshalb zunächst die typischen Muster der Klimaberichterstattung der Massenmedien diskutieren. Anschließend stellen wir diesen Mustern das Konzept des Konstruktiven Journalismus gegenüber, der neben Problemen auch Erfolge und mögliche Problemlösungen thematisiert. Schließlich werden die Wirkungen beider Berichterstattungsarten auf die Bevölkerung experimentell miteinander verglichen.

Zwischen Ignoranz und Alarmismus: Die Medienberichterstattung über den Klimawandel

Betrachtet man die Forschung zur Medienberichterstattung über den Klimawandel in Deutschland und anderen Ländern, zeigen sich seit rund 20 Jahren zwei grundsätzliche Befunde. Zum einen berichten die Medien trotz dauerhafter Aktualität des Themas nicht kontinuierlich, sondern stark ereignisorientiert über den Klimawandel – vor allem über die jährlichen Weltklimakonferenzen und über die Veröffentlichung der im Abstand von fünf bis sieben Jahren aktualisierten Weltklimaberichte des IPCC. [2]
Hinzu kommen des Öfteren Berichte über Naturkatastrophen, die mit dem Klimawandel mehr oder weniger stark in Verbindung gebracht werden. Zwischen diesen Ereignissen dominieren andere große Themen, die den Klimawandel weitgehend aus den Nachrichten verdrängen: die Finanzkrise, der Atomausstieg, die Flüchtlingskrise und zuletzt die COVID-19-Pandemie. Diese Schwankungen in der Intensität der Medienberichterstattung über den Klimawandel schlagen sich unmittelbar in der Problemwahrnehmung der Bevölkerung nieder (Agenda-Setting).

So zeigen Daten der Forschungsgruppe Wahlen beispielsweise, dass der Anteil der Deutschen, die den Klimawandel für das wichtigste politische Problem halten, zuletzt zwischen 10 Prozent (vor der Flüchtlingskrise im Sommer 2015), 2 Prozent (während der Flüchtlingskrise), 59 Prozent (im September 2019) und wieder 10 Prozent (zu Beginn der COVID-19-Pandemie im Frühjahr 2020) schwankte.

Zum anderen berichten die Medien, wenn sie denn über den Klimawandel berichten, in der Regel problemzentriert oder sogar alarmistisch. [3] Gerade die deutschen Medien diskutieren den Klimawandel häufig als kaum lösbares gesellschaftliches Problem mit gravierenden negativen Folgen für die Menschheit. [4] Dass diese Folgen auf Basis von Prognosemodellen berechnet werden, die mit einer erheblichen wissenschaftlichen Unsicherheit verbunden sind, wird in der Berichterstattung überwiegend nicht vermittelt – auch wenn diese Unsicherheit beispielsweise in den Weltklimaberichten explizit herausgestellt wird. So erscheinen Folgen, die nur unter ungünstigen Umständen eintreten, als sicher eintretende Katastrophen. [5]

Die Berichterstattung ist dabei oft mit dramatischen Bildern von Wüsten, Überschwemmungen oder verschwundenen Gletschern unterlegt, die die Ängste des Publikums ansprechen. Mögliche Lösungen des Klimaproblems oder Erfolge in der Bekämpfung des Klimawandels werden dagegen selten thematisiert, obwohl Lösungen möglich und Erfolge bereits erkennbar sind.

Ereignis- und Problemzentrierung sind nicht nur für die Medienberichterstattung über den Klimawandel typisch. Sie sind vielmehr die Folge von allgemeinen journalistischen Selektionskriterien, beispielsweise Nachrichtenfaktoren wie Aktualität, Konflikt und Schaden, die dazu führen, dass themenunabhängig vor allem spektakuläre, negative und konflikthaltige Ereignisse Eingang in die Medienberichterstattung finden, weil sie nicht nur die Aufmerksamkeit der Medienschaffenden, sondern auch die des Publikums stärker auf sich ziehen als unspektakuläre und positive Ereignisse. Diese Themenselektion erzeugt aber nicht nur Aufmerksamkeit für den Klimawandel, sondern löst beim Publikum auch Angst vor den Folgen des Klimawandels aus. Diese Angst ist allerdings nicht mit erhöhter Handlungsbereitschaft verbunden. Sie verursacht vielmehr Resignation, weil beim Publikum der Eindruck entsteht, der Klimawandel sei ohnehin nicht mehr aufzuhalten. [6] Diese Erkenntnis deckt sich mit Befunden zur Wirkung von Furchtappellen in Gesundheitskampagnen, die zeigen, dass sich Furchtappelle allenfalls dann in gewünschter Weise auf das Verhalten von Menschen auswirken, wenn diesen zugleich der Eindruck vermittelt wird, dass Probleme lösbar sind und die Betreffenden selbst einen Einfluss auf die Problemlösung haben. Ist dies nicht der Fall, lösen Furchtappelle mit hoher Wahrscheinlichkeit Reaktanz aus. [7] Man kann folglich annehmen, dass eine Medienberichterstattung, die den Klimawandel problematisiert oder gar dramatisiert, ohne Lösungsansätze aufzuzeigen, die Menschen eher davon abhält, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Konstruktiver Klimajournalismus als Alternative

Als Alternative zum etablierten, auf Probleme und Konflikte fokussierten Journalismus wird seit einigen Jahren der Konstruktive Journalismus diskutiert. Anknüpfend an frühere Zusammenstellungen von Kriterien für Konstruktiven Journalismus, [8] wollen wir diesen hier als ein Konstrukt mit den drei Dimensionen Objektivität, Sachlichkeit und Lösungsorientierung definieren. Objektivität: Konstruktiver Journalismus ist zwar kritisch, aber zugleich ausgewogen und politisch neutral im Sinne einer objektiven Berichterstattung. Es geht hier folglich – anders als gelegentlich missverstanden – nicht um eine unkritisch positive Berichterstattung, sondern darum, den negativen Bias problemzentrierter Berichterstattung zu vermeiden. Sachlichkeit: Konstruktiver Journalismus behandelt wichtige gesellschaftliche Themen, ist faktenbasiert und verzichtet auf eine skandalisierende und empörende Berichterstattung. Objektivität und Sachlichkeit sind allerdings nicht nur Anforderungen an den Konstruktiven Journalismus, sondern Indikatoren für Medienqualität im Allgemeinen. Wichtigster Unterschied zum etablierten Journalismus ist die dritte Dimension, die man als Lösungsorientierung bezeichnen kann.

Demnach nimmt Konstruktiver Journalismus neben Problemen auch vergangene Erfolge und mögliche Problemlösungen in den Blick. Basierend auf dem Ansatz der positiven Psychologie, wird vermutet, dass Konstruktiver Journalismus unter anderem positive Emotionen auslöst, den Eindruck verstärkt, dass die Rezipientinnen und Rezipienten selbst etwas zur Problemlösung beitragen können (Selbstwirksamkeit), und schließlich auch die Bereitschaft der Menschen erhöht, tatsächlich etwas zur Problemlösung beizutragen. [9] Konstruktiver Journalismus zum Thema Klimawandel thematisiert dementsprechend nicht nur die negativen Folgen des Klimawandels, sondern beispielsweise auch individuelle und kollektive Möglichkeiten, CO2 zu reduzieren, und verweist zugleich darauf, dass der CO2-Ausstoß in vielen Ländern, darunter Deutschland, in den letzten 30 Jahren bereits deutlich reduziert wurde. [10] Die Nennung von Lösungsansätzen vermittelt den Rezipientinnen und Rezipienten dann den Eindruck, dass ein Problem tatsächlich (noch) lösbar ist. Durch den Verweis auf bereits erzielte Erfolge erscheint die Problemlösung zudem wahrscheinlicher – und eigenes Engagement dementsprechend sinnvoller.

Ob diese positiven Wirkungen auch tatsächlich eintreten, wurde bislang aber nur in sehr wenigen empirischen Untersuchungen geprüft. [11] Sie zeigen zunächst weitgehend übereinstimmend, dass Menschen nach dem Lesen eines konstruktiven Medienbeitrags in positiverer Stimmung sind als nach dem Lesen eines nicht konstruktiven Beitrags. Ob dies aber auch Folgen für ihre Urteilsbildung und ihre Handlungsbereitschaft hat, ist weitgehend unklar, weil die Befunde hierzu sehr unterschiedlich ausfallen und ihre Randbedingungen bislang noch nicht untersucht wurden.

Problemzentrierter versus konstruktiver Klimajournalismus: Ein Experiment

Um zu untersuchen, welche Effekte Konstruktiver Journalismus zum Thema Klimawandel hat, haben wir am Institut für Publizistik der JGU Mainz im Sommer 2021 ein Experiment zur Wirkung problemzentrierter und konstruktiver Klimaberichterstattung im Vergleich durchgeführt. Dabei haben uns vor allem folgende Fragen interessiert: 1) Versetzt problemzentrierte oder konstruktive Berichterstattung die Menschen eher in eine positivere Stimmung? 2) Löst problemzentrierte oder konstruktive Berichterstattung bei den Menschen eher Angst vor dem Klimawandel aus? 3) Fördert problemzentrierte oder konstruktive Berichterstattung eher den Eindruck, der Klimawandel könne noch aufgehalten werden? 4) Erhöht problemzentrierte oder konstruktive Berichterstattung eher die Bereitschaft, sich gegen den Klimawandel zu engagieren? Zudem wollten wir 5) wissen, ob die Klimaberichterstattung der Massenmedien alle Rezipientinnen und Rezipienten gleichermaßen beeinflusst oder nur einen Einfluss auf diejenigen hat, die von einem Klimaphänomen selbst betroffen sind.

Um diese Fragen zu beantworten, haben wir für unser Experiment zunächst vier Versionen eines Beitrags über den Klimawandel in einem fiktiven Onlinemedium verfasst. Alle vier Versionen drehten sich um eine neue Modellrechnung des Climate Action Trackers, nach der das Ziel, den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, nicht erreicht werden wird. Zudem wurden die negativen Folgen dieses Temperaturanstiegs ausführlich thematisiert. Alle Artikelversionen hatten folglich gemeinsam, dass sie den Klimawandel stark problematisierten. Die Artikel unterschieden sich allerdings auch in zwei Merkmalen: Zum einen haben wir die Lösungsorientierung des Artikels variiert. In der konstruktiven Version wurde das Problem um eine mögliche Lösung (neue Technologien) und einen Hinweis auf vergangene Erfolge bei der Reduktion von Treibhausgasen ergänzt. In der problemzentrierten Version fehlten diese Textstellen. Zum anderen haben wir die Betroffenheit der Leserinnen und Leser variiert, indem wir das Scheitern der Klimaziele einmal bereits für das Jahr 2035 (hohe Betroffenheit) und einmal erst für das Jahr 2135 (geringe Betroffenheit) prognostiziert haben.

Diese vier Artikel haben wir insgesamt 161 zufällig ausgewählten Versuchspersonen, also etwa 40 Versuchspersonen pro Artikelversion, zu lesen gegeben. Anschließend haben diese einen kurzen Fragebogen ausgefüllt, in dem sie mithilfe siebenstufiger Skalen eine Reihe von Aspekten einschätzen sollten, unter anderem die Qualität des Artikels, ihre allgemeine Stimmung (sechs Items, beispielsweise »optimistisch«, »motiviert«, »verärgert«), ihre Angst vor den Folgen des Klimawandels, ihre Einschätzung, ob der Klimawandel noch aufzuhalten sei, und ihre Verhaltensabsichten in Bezug auf den Klimawandel (sechs Items, beispielsweise die Bereitschaft, sich mit anderen über den Klimawandel zu unterhalten; die Bereitschaft, an Aktionen für Klimaschutz teilzunehmen; die Bereitschaft, klimafreundlicher zu leben).

Die Befunde zeigen eine Reihe statistisch signifikanter (also wissenschaftlich interpretierbarer) Unterschiede zwischen den Folgen problemzentrierter und konstruktiver Berichterstattung auf: Diejenigen, die die konstruktive Artikelversion gelesen hatten, waren in signifikant positiverer Stimmung als diejenigen, die die problemzentrierte Artikelversion gelesen hatten. Dies galt für alle sechs abgefragten Stimmungen einzeln und folglich auch für einen Index aus allen sechs Stimmungen zusammengenommen. Die Angst vor den Folgen des Klimawandels hing sowohl von der Konstruktivität des Artikels als auch von der Betroffenheit der Versuchspersonen ab: Diejenigen, die die problemzentrierte Artikelversion gelesen hatten, hatten signifikant eher Angst vor den Folgen des Klimawandels – allerdings nur, wenn das Verfehlen der Klimaziele bereits für das Jahr 2035 prognostiziert wurde (hohe Betroffenheit). Statistisch gesprochen, handelt es sich hier um einen Interaktionseffekt aus Konstruktivität und Betroffenheit: Angst entstand vor allem bei denjenigen, die keine Problemlösung aufgezeigt bekamen, aber das Eintreten der negativen Folgen vermutlich noch selbst erleben. Diejenigen, die den konstruktiven Artikel gelesen hatten, waren – unabhängig von ihrer Betroffenheit – zudem signifikant seltener der Überzeugung, der Klimawandel könne nicht mehr aufgehalten werden, während diejenigen, die den problemzentrierten Artikel gelesen hatten, eher in Resignation verfielen. Bezogen auf die klimarelevanten Verhaltensabsichten, zeigte sich schließlich nur teilweise ein Effekt: Diejenigen, die den konstruktiven Artikel gelesen hatten, gaben signifikant eher an, zukünftig öfter mit anderen Menschen über den Klimawandel sprechen zu wollen. Die Bereitschaft zu aufwendigeren Formen des Engagements wurde dagegen durch den Artikel zunächst nicht beeinflusst. Allerdings ist es auch kaum erwartbar, dass ein einzelner Medienbeitrag das Verhalten der Leserinnen und Leser grundsätzlich verändert, weil das menschliche Verhalten kurzfristig relativ stabil ist. Die folgende Abbildung fasst diese Befunde noch einmal anhand einiger beispielhafter Indikatoren grafisch zusammen.

Weil bei konstruktiven Medienbeiträgen aufmerksamkeitsfördernde Elemente wie Negativität und emotionale Sprache weitgehend fehlen, könnte man allerdings vermuten, dass die Leserinnen und Leser konstruktiven Artikeln weniger Aufmerksamkeit schenken oder konstruktive Beiträge weniger positiv bewerten. Für beides finden sich aber weder in früheren Studien zum Konstruktiven Journalismus noch in unserem Experiment Belege. Diejenigen, die die konstruktive Artikelversion gelesen hatten, lasen den Artikel ähnlich lange und mit ähnlicher Aufmerksamkeit wie diejenigen, die den problemzentrierten Artikel gelesen hatten. Zudem bewerteten sie seine Qualität und Glaubwürdigkeit sogar etwas positiver als die Leserinnen und Leser des problemzentrierten Artikels.

Fazit: Konstruktiver Klimajournalismus statt Panik

Die Befunde unseres Experiments zeigen, dass konstruktiver Klimajournalismus eine Kette funktionaler Medienwirkungen in Gang setzt: Leserinnen und Leser werden in eine allgemein positivere Stimmung versetzt, haben weniger Angst vor dem Klimawandel und sehen eher die Möglichkeit, den Klimawandel noch zu verhindern. Dies gilt durchweg für diejenigen, die von einem Problem unmittelbar betroffen sind. In den meisten Fällen treten die Wirkungen aber sogar unabhängig von der individuellen Betroffenheit auf. Leserinnen und Leser von problemzentrierten Medienbeiträgen ohne Darstellung von Lösungen oder Erfolgen verfallen dagegen eher in Angst und Resignation. Konstruktiver Journalismus schafft folglich deutlich eher als problemzentrierter Journalismus die Voraussetzungen dafür, dass Menschen ihr Verhalten ändern, um zur Lösung von Problemen beizutragen. Die Daten zeigen allerdings auch, dass die Rezipientinnen und Rezipienten dennoch nach dem Lesen eines einzelnen konstruktiven Medienbeitrags nur zu relativ einfachen Verhaltensänderungen bereit sind (erhöhte Gesprächsbereitschaft). Die Bereitschaft zu weitergehenden Verhaltensänderungen, beispielsweise einer klimafreundlicheren Lebensweise, wird dagegen nicht direkt beeinflusst. Hier kann man allerdings durchaus annehmen, dass sich durch eine insgesamt konstruktivere Medienberichterstattung langfristig ebenfalls Effekte zeigen würden. In der Klimaberichterstattung, aber auch in der Berichterstattung über andere gesellschaftliche Problemfelder wie Migration oder die COVID-19-Pandemie kann Konstruktiver Journalismus folglich dazu beitragen, Angst und Resignation zu mindern und zumindest die Bedingungen für gesellschaftlich funktionales Engagement zu verbessern. Bislang haben sich allerdings nur wenige, überwiegend nicht tagesaktuelle Medien auf Konstruktiven Journalismus spezialisiert. In den etablierten Nachrichtenmedien wird zwar gelegentlich mit diesem Ansatz experimentiert. Zugleich wird dieser aber noch immer oft mit unkritisch positiver Berichterstattung verwechselt (»Die positive Nachricht des Tages«). Einen Weg zu finden, objektiven und sachlichen Journalismus um das Aufzeigen von Lösungswegen zu ergänzen, ist für die Medien und die Gesellschaft eine lohnenswerte Aufgabe – auch wenn dadurch über Jahrzehnte eingeübte Routinen infrage gestellt werden müssen.

Titelillustration: Esther Schaarhüls

Das Magazin Fachjournalist ist eine Publikation des Deutschen Fachjournalisten-Verbands (DFJV).

Der Autor Marcus Maurer ist Professor für Politische Kommunikation am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Politische Kommunikation, Medienwirkungsforschung, Empirische Methoden und Wissenschaftskommunikation.

Der Text  ist ein Beitrag aus dem Buch „Medien in der Klima-Krise“, herausgegeben von KLIMA° vor acht e. V., erschienen im oekom Verlag (2022). In dem Sammelband erklären 28 renommierte Autorinnen und Autoren warum der Klimawandel auch eine journalistische Herausforderung ist und weisen Wege aus dem Kommunikationsdilemma.

 

 

Anmerkungen

[1] Arlt, Dorothee/Hoppe, Imke/Wolling, Jens (2011): Climate change and media usage. Effects on problem awareness and behavioural intentions, in International Communication Gazette, 73(1-2), S. 45–63; Myers, Teresa A., et al. (2012). A public health frame arouses hopeful emotions about climate change, in: Climatic Change, 113(3–4), S. 1105–1112.

[2] Schäfer, Mike S./Ivanova, Anna/Schmidt, Andreas (2014): What Drives Media Attention for Climate Change? Explaining Issue Attention in Australian, German and Indian Print Media from 1996 to 2010, in: International Communication Gazette, 76 (2), S. 152–176.

[3] Feldman, Lauren/Hart, P. Sol/Milosevic, Tijana (2017): Polarizing news? Representations of threat and efficacy in leading US newspapers’ coverage of climate change, in: Public Understanding of Science, 26(4), S. 481–497.

[4] Lück, Julia, et al. (2018): Counterbalancing global media frames with nationally colored narratives: A comparative study of news narratives and news framing in the climate change coverage of five countries, in: Journalism, 19(12), S. 1635–1656.

[5] Maurer, Marcus (2011): Wie Journalisten mit Ungewissheit umgehen. Eine Untersuchung am Beispiel der Berichterstattung über die Folgen des Klimawandels, in: Medien & Kommunikationswissenschaft, 59(1), S. 60–74.

[6] Lowe, Thomas, et al. (2006): Does tomorrow ever come? Disaster narrative and public perceptions of climate change, in: Public Understanding of Science, 15(4), S. 435–457.

[7] Peters, Gjalt-Jorn Ygram/Ruiter, Robert A. C./Kok, Gerjo (2014). Threatening communication. A cri- tical re-analysis and a revised meta-analytic test of fear appeal theory, in: Health Psychology Review, 7(1), S. 8–31.

[8] Haagerup, Ulrik (2017): Constructive News – How to save the media and democracy with journalism of tomorrow, Aarhus University Press.

[9] McIntyre, Karen/Gyldensted, Cathrine (2018): Positive Psychology as a Theoretical Foundation for Constructive Journalism, in: Journalism Practice, 12(6), S. 662–678.

[10] Umweltbundesamt(2020):NationaleTreibhausgas-Inventare1990bis2019(Stand12/2020).

[11] Baden, Denise/McIntyre, Karen/Homberg, Fabian(2019):The Impact of Constructive News on Affective and Behavioural Responses, in: Journalism Studies, 20(13), S. 1940–1959; Meier, Klaus (2018): How Does the Audience Respond to Constructive Journalism?, in: Journalism Practice, 12(6), S. 764–780.

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